Verabschiedung 9. Klasse: „Liebenswert, aber völlig durchgechillt“

Veröffentlicht: Mittwoch, 27. Juli 2016 Geschrieben von admin

Abschlussfeier an derGrund- und Mittelschule Unterwössen: Schulrektor Otto Manzenberger (links) und Klassenlehrerin Kerstin Pertl verabschiedeten die Schulabgänger und trafen sich nochmals zu einem Klassenfoto. © OVB
Abschlussfeier an derGrund- und Mittelschule Unterwössen: Schulrektor Otto Manzenberger (links) und Klassenlehrerin Kerstin Pertl verabschiedeten die Schulabgänger und trafen sich nochmals zu einem Klassenfoto. © OVB

Abschlussfeier an derGrund- und Mittelschule Unterwössen: Schulrektor Otto Manzenberger (links) und Klassenlehrerin Kerstin Pertl verabschiedeten die Schulabgänger und trafen sich nochmals zu einem Klassenfoto. © OVB
17 Schüler und Schülerinnen verabschiedeten sich in der diesjährigen Abschlussfeier von ihrer Grund- und Mittelschule Unterwössen.

Elf haben den Quali geschafft, einer, Stefan Blösl, gehört mit einem Notendurchschnitt von 1,4 zu den Besten des Landkreises. Alle haben entweder eine Lehrstelle oder einen Platz auf einer weiterführenden Schule. Darüber freute sich Rektor Otto Manzenberger in der Feierstunde in der Schulaula. Für Rektor Manzenberger und Klassenlehrerin Kerstin Pertl hieß es damit, Abschied zu nehmen von ihrer neunten Klasse.

 

Um deren Schulalltag und das Verhältnis in der täglichen Zusammenarbeit zu beschreiben, nutzte Kerstin Pertl das Beispiel einer Schiffsmannschaft.
Alleine erreiche ein Kapitän, der Lehrer, sein Ziel nicht. Aber auch die Besatzung komme nicht an, wenn nicht alle gemeinsam anpacken und ihre Aufgaben lösen. Das sei mit dieser Klasse nicht einfach gewesen, nicht jeder habe seinen Part übernommen, die Segel gesetzt, in der Kombüse gekocht oder das Deck geschrubbt. Die Möglichkeit, im Unterricht aktiv mitzuarbeiten und mitzugestalten, hätten nicht so viele wirklich genutzt. Die Hauptarbeit sei oft an ein paar wenigen und der Lehrerin hängengeblieben.
„Chillen, Abhängen und Relaxen" hätten in dieser Klasse einen hohen Stellenwert gehabt. So seien es immer die Gleichen aus der Mannschaft und der Kapitän gewesen, die Verantwortung übernommen und Aufgaben für andere bewältigt hätten. Letztendlich sei das Schiff angekommen. Die, die sich eingesetzt hätten, hätten dafür eine Auszeichnung bekommen.
Von denen, die mit geringem Einsatz bei der Sache waren, hätten einige Glück, andere Pech gehabt. Jetzt seien alle angekommen und die Mannschaft verlasse das Schiff. „Jeder muss sehen, wie er die Füße auf den fes ten Boden bekommt." Einige hätten richtig viel gelernt, wüssten genau, wie man Segel setzt, andere hätten ziemlich viel Muskeln bekommen, müssten jedoch noch lernen, den Wind zu nutzen. Für einige, ist sich Pertl sicher, dass die bald in einen sicheren Hafen einlaufen, andere werden Schiffe lenken und Verantwortung übernehmen.
„Ich bin gespannt, welchen Kurs ihr einschlagt"
Mit Sorge blickt Pertl auf die, die sich zukünftig wie auf einem Kreuzfahrtschiff „eine Kabine mit Meerblick mieten" würden. Sie hoffe, dass die sich langweiligen und bald das Ruder oder Segel selbst in die Hand nehmen. Pertl weiter: „Das Leben besteht aus Angebot und Nachfrage. Manchmal bekommt man etwas zum Sonderpreis. Einkaufen muss man selbst, auch wenn's online ist und Geld kostet es immer. Ich bin gespannt, welchen Kurs ihr einschlagt." Mit den besten Wünschen und einem kleinen persönlichen Geschenk verabschiedete sie sich von den Schülern.
Rektor Manzenberger sah den Schulabschluss als ein Ereignis, auf das ein jeder stolz sein könne. Zugleich sei es ein neues Kapitel, das mit diesem Tag aufgeschlagen werde. „Ich hoffe, dass wir euch die notwendigen Fähigkeiten mitgeben konnten.
Im Rückblick beschrieb Manzenberger die Klasse als „genügsam, liebenswert, tiefenentspannt, bewegungsarm, selbstzufrieden und völlig durchgechillt". Wer mit der Klasse als Lehrer zu tun bekommen hätte, habe im Anschluss das ewig gleiche Fazit gezogen: „Die tun all das, was man ihnen sagt und arbeiten still." Zu selten sei die Klasse einmal bereit gewesen, einen Zahn zuzulegen. Nur ein paar Einzelkämpfer hätten versucht, Schwung in die Klasse zu bringen. Die Klassenleiterin sei gelegentlich an dieser Eigenart verzweifelt, gerade weil ihr ein jeder Einzelne so sehr am Herzen gelegen habe und sie mit jedem vor und nach den Prüfungen mitfieberte.
Manzenberger: „Mit der Übergabe der Abschlusszeugnisse werden euch heute Flügel wachsen. Flügel, die für Freiheit, Unabhängigkeit aber auch für die Verpflichtung stehen, Verantwortung zu übernehmen. Was wäre, wenn ihr eure Talente, so wie ich sie kenne, gnadenlos ausbaut und wenn Träume wahr werden?"

Bürgermeister Ludwig Entfellner gab den Schulabgängern mit auf den Weg, neugierig zu bleiben und das Leben in die eigene Hand zu nehmen. Anhand seines eigenen Lebensweges vertrat Entfellner die Auffassung, dass Zeugnissen heute wenig Beachtung zukomme. Insofern sei der neue Lebensabschnitt ein Neuanfang. „Jedes Bewerbungsgespräch ist ein Start, in dem zu beweisen ist, dass man richtig tickt." Der Bürgermeister sieht, dass die eher kleine Unterwössener Schule mit ihrem familiären, sozialen Angebot das nötige Rüstzeug mitgegeben habe. Das sei Lehrern, Lernpaten und Eltern zu danken.

Schülersprecher Daniel Straßwender und Klassensprecherin Patrizia Carolus gaben zu, dass es nicht immer leicht gewesen sei, ihrer Klasse das grundlegende Handwerkszeug mit auf den Weg zu geben. Umso mehr dankten die Schüler ihren Eltern, die immer an sie geglaubt hätten, den Lehrern, die sie unterrichtet und sie ausgehalten hätten, einer Klassenlehrerin, die ihre Klasse nie aufgegeben habe. Kerstin Pertl sei es gelungen, mit Humor und Energie alles aus ihren Schülern herauszuholen. Mit einem Blumengeschenk sagten die Schüler all denen vom Hausmeister über die Sekretärin bis zur Vermittlerin des Arbeitsamtes Dankeschön, die sie auf ihrem Weg begleitet haben.

Zum Schluss blieb der Elternbeiratsvorsitzenden Diana Tschutschuligin die Aufgabe, die Besten der Klasse zu ehren. Das waren Stefan Blösl mit einem Notendurchschnitt von 1,4, Stefano Tallarico mit einer 2,0 und gleichauf Florian Dachser und Daniel Straßwender mit 2,2. (Text/Bild LFlug)

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